Sperberpflegling

Behandlung vom 02.11.– 08.11.2018 nach Anflugtrauma

 

Am Abend des 02. November erhielten wir den Anruf eines Anwohners aus Weimar-Niederwalgern im Kreis Marburg-Biedenkopf. Laut Aussage des Anwohners sei ein Habicht gegen die Wohnzimmerscheibe seines Hauses im Erdgeschoss geprallt und benötigte Hilfe. Natürlich packten Frank und ich sofort alles Notwendige zusammen und fuhren in das ca. 30 km entfernte Niederwalgern.

Bei unserer Ankunft hatte der Herr den Vogel bereits in einer geeigneten Transportbox gesichert. Er ist Taubenhalter und hatte daher eine entsprechende Transportbox zur Hand. Anhand der Größe der Box, diese betrug ca. 40 x 40 cm, war uns schon klar, dass sich darin kein Habicht befinden konnte. Wir schauten vorsichtig durch die Luftlöcher und entdeckten in der Box einen Sperber.

 

Frank und ich klärten den Anwohner über die Art, Jagdverhalten und Lebensraum des Sperbers auf. Hier zeigte sich mal wieder, dass die Menschen selbst im ländlichen Bereich, immer weniger über die Natur wissen. Er war der Meinung, dass der kleine Sperber die Hühner seines Nachbarn angegriffen hätte. Auch war er der Meinung, dass Mäusebussarde und Turmfalken für die Hühner des Nachbarn bzw. seine Tauben eine Gefahr darstellen. Daher waren wir besonders froh, dass er für den Sperber Hilfe organisiert hatte. Durch unsere Öffentlichkeitsarbeit und auch diverse Fernsehreportagen über uns in letzter Zeit haben wir im Landkreis schon einen recht guten Bekanntheitsgrad erreicht.

 

Wir leisteten noch eine knappe Stunde Aufklärungsarbeit und hoffen, dass Mäusebussard, Sperber und Turmfalke nun weiterhin dort in guter Nachbarschaft leben können. Zu Hause angekommen wurde der Patient erst einmal eingehend untersucht. Der Sperber war in einer sehr guten körperlichen Verfassung. Ich konnte ein volles, sehr gut bemuskeltes Brustbein ertasten. Flügel und Ständer waren ohne Beeinträchtigung, was Frank gleich zu spüren bekam. Über dem rechten Auge war eine Schwellung erkennbar, was wohl von dem Anprall gegen die Fensterscheibe herrührte. Das Gefieder war vollständig und intakt.  

 

Die Wägung ergab ein Gewicht von 250 Gramm. Somit war klar, nicht nur vom äußerlichen Anschein, dass wir hier einen weiblichen Sperber vor uns hatten. Ansonsten machte er einen wehrhaften, aber zu ruhigen Eindruck. Für die Nacht brachten wir ihn in einer Transportbox in geeigneter Größe unter. Diese wurde mit Zeitungspapier ausgelegt und abgedunkelt an einen warmen Ort gestellt.

 

Bei der Kontrolle am nächsten Morgen ruhte der Vogel liegend in der Box. Die Schwellung über dem Auge war unverändert, die Augen klar, weitere Therapie daher einfach Ruhe. Da wir wissen, dass Sperber sehr empfindlich auf Nahrungsentzug reagieren und er sich bei der Jagd verletzt hatte, somit also hungrig sein musste, versuchten wir am Abend das erste Mal den Sperber zu atzen.

 

 

 

Dazu legte Frank sich den Vogel vorsichtig auf den Schoß. Das Umfassen seines Körpers von Frank mit beiden Händen schien ihn nicht sonderlich zu beeindrucken. Ich versuchte ihn mit kleinen Stückchen Taubenfleisch zu füttern und er nahm es tatsächlich an. Damit hätten wir nun nicht gerechnet, dass ein wilder Sperber nach knapp 24 Stunden in Menschenhand, und das im wahrsten Sinn des Wortes, da Frank ihn ja vorsichtig fixiert hielt, Atzung annimmt. 

 

Mit dieser Behandlung fuhren wir nun die nächsten Tage fort. Der Sperber bekam zwei mal täglich Atzung angeboten, die er immer sofort annahm und in ordentlichen Mengen verputzte. Dass er dabei jedes mal in den Händen von Frank lag, schien ihn absolut nicht zu stören.

Daher können wir uns nun sehr gut vorstellen, dass die alte Jagdart „das Werfen“ des Sperbers aus der Hand, für die Vögel unproblematisch ist.

 

Es dauerte drei Tage, bis der Sperber das erste Mal wieder in der Box stand und die Schwellung über dem Auge verschwunden war. Zuerst noch sehr ruhig aber dann von Tag zu Tag lebhafter, so dass wir am 08.11.2018 beschlossen, ihn wieder in die Freiheit zu entlassen. Sein Gefieder hatte dank der glatten Wände der Box keinen Schaden genommen und das wollten wir auch nicht riskieren. Zum Abschied erhielt er von uns noch eine Sperber- gerechte Atzung, die er selbständig rupfte und kröpfte.  

 

Unser Sohn Leander, der ganz begeistert von dem kleinen Patienten war und eine der täglichen Fütterungen übernommen hatte, durfte den Sperber wieder in die Freiheit entlassen. Nach Sekunden war er in den Hecken verschwunden. Wir wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute.

 

Nachtrag: Am 18. November 2018 konnte der Sperber im Gebiet der Freilassung noch einmal bestätigt werden. Somit haben wir den Nachweis, dass die Rehabilitation ein voller Erfolg war und der Sperber wieder wildbahn- und jagdfähig ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Monika Klaus

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